Mehr als nur ein Remake – Wie Age of Mythology einen vergessenen Klassiker wiederbelebt und neu inszeniert

Nach dem Xbox Games Showcase kamen Fans von Age of Mythology aus dem Jahr 2002 in Scharen hervor (wir eingeschlossen), um ihre Begeisterung für das bevorstehende Remake – Age of Mythology: Retold – auszudrücken. Das Originalspiel ist mittlerweile über 20 Jahre alt, und obwohl es bei den Fans nach wie vor hoch im Kurs steht, ist es vielleicht weniger in Erinnerung geblieben als die Age of Empires-Reihe, aus der es hervorgegangen ist.

Doch jetzt ist Retold eine der am meisten erwarteten Veröffentlichungen des Jahres – und das liegt zum Teil daran, dass Entwickler World’s Edge für ein komplettes Remake die Erwartungen übertrifft. Es handelt sich nicht nur um das altbekannte Spiel mit einem frischen Anstrich – es bringt brandneue Spielmodi, Verbesserungen an klassischen Einheiten und sogar völlig neue spielbare Fraktionen mit sich. Age of Mythology: Retold ist nicht nur für langjährige Fans, sondern ein Echtzeit-Strategiespiel für alle.

Vor der gamescom hatten wir die Gelegenheit, mit Kristen Pirillo, Senior Game Designer bei World’s Edge, zu sprechen, um herauszufinden, warum das Studio und seine Partner im Stande sind, eine mit Spannung erwartete – und unglaublich umfassende – Auffrischung eines Klassikers zu liefern, an den sich sonst vielleicht nur einige wenige erinnern würden.

Obwohl Age of Mythology seit über zwei Jahrzehnten in Vergessenheit geraten ist, gibt Pirillo an, dass es eine kleinere, aber sehr leidenschaftliche Community von Spieler*innen gibt, die sich immer noch aktiv mit dem Titel beschäftigt: „Dieses Interesse unterscheidet Age of Mythology von vielen anderen Spielen. Es wird vielleicht am wenigsten darüber gesprochen, aber es hat auch das größte Potenzial, sich in den Köpfen festzusetzen.“

„Die Age of Mythology-Fangemeinde ist einfach besonders leidenschaftlich und unglaublich erfinderisch – es ging nur darum, auf den richtigen Zeitpunkt zu warten und alle Erkenntnisse aus anderen Age-Titeln zu nutzen.“

Im Kern sollte Age of Mythology: Retold das Spiel werden, das sich die Fans gewünscht hatten − eine detailgetreue Nachbildung des Originals mit allen Verbesserungen, die die moderne Entwicklung mit sich bringt. Retold erforderte eine ehrgeizige Vision − das Team wollte die überlebensgroßen Elemente riesiger mythologischer Armeen, Monster und bombastischer Gottheiten auf eine Weise darstellen, die bisher durch die Technologie der damaligen Zeit eingeschränkt war.

Dies wird im visuellen Design des Spiels sofort deutlich, besonders wenn man die Einheitenmodelle des Originalspiels mit ihren neuen, verbesserten Versionen in Retold vergleicht. Das Grafikteam hatte eine klare Vorstellung davon, wie das Spiel aussehen sollte: epische Proportionen, atmosphärische Welten und natürlich furchterregende Monster. Pirillo beschreibt diesen Prozess am Beispiel des Argus, einer atlantischen Monstereinheit.

„In Age of Mythology war es nur eine raue Kugel mit ein paar Tentakeln, aber in Retold können wir so viel mehr machen“, erklärt Pirillo. „Jetzt hat es viele Augäpfel, die sich alle unabhängig voneinander bewegen, es schlängelt sich, und es ist einfach irgendwie eklig. Die Idee ist, alles aufzupeppen und die Mythologie wirklich zu maximieren.“

Neben einfachen Verbesserungen gibt es in Retold auch große Veränderungen gegenüber dem Original. Am deutlichsten wird dies bei der Verwendung der Zauber der Götter und Göttinnen. Das sind im Originalspiel extrem mächtige Fähigkeiten, die nur einmal pro Kampf eingesetzt werden können, um entweder eine*n Gegner*in sofort zu vernichten oder die eigenen Ressourcen deutlich zu erhöhen. Das Problem war, dass sie so mächtig waren, dass die Spieler*innen sie oft aufsparten und am Ende gar nicht einsetzten. In Retold sind diese Zauber nun wiederverwendbar und erinnern eher an die ultimativen Fähigkeiten in einem Held*innen-Shooter, was den Einsatz im Spiel verändert, während Du Dich austoben kannst.

Und der Kern der ganzen Teamarbeit ist, auch wenn es offensichtlich erscheint, dass moderne Technologie es einfach ermöglicht, von jedem Aspekt mehr zu haben. Mehr Einheiten, mehr Monster, mehr Zauber der Götter und Göttinnen, die über die Karte explodieren; Age of Mythology: Retold ermöglicht das Gemetzel, das Spieler*innen schon immer veranstalten wollten.

„Eine für mich sehr wichtige Änderung ist die Erhöhung der Bevölkerungsobergrenze, so dass man riesige Armeen zusammenstellen kann“, fügt Pirillo hinzu. „Diese Armeen können aus vielen verschiedenen Arten von Einheiten bestehen. Manche Armeen bestehen nur aus Monstern, und das war im Originalspiel einfach nicht möglich. Selbst wenn man nicht gewinnt, ist es sehr zufriedenstellend, das zu beobachten.“

Änderungen, die für alle zugänglich sind

Der Vorteil von 20 Jahren Feedback einer so engagierten Community besteht darin, dass Änderungen vorgenommen werden können, um jeden Spielertypen besser zu unterstützen. So wurde beispielsweise im ursprünglichen Age of Mythology davon ausgegangen, dass die nordische Fraktion eine höhere Einstiegsschwelle hat. Das wollte das Team für Retold ändern, um die Fraktion für alle zugänglicher zu machen.

„Wir haben im Basisspiel mehr Inhalte für die Wikinger hinzugefügt, neue Einheiten und Gebäude, und viele der bestehenden Dinge wurden neu ausbalanciert“, sagt Pirillo. „Es ist auch nicht mehr so schlimm, wenn man einen Fehler macht.“

Mit der Premium-Edition von Age of Mythology: Retold kommt auch ein neues Gottheiten-Paket – das Freyr-Gott-Paket – das einen Hauptgott und mehrere Nebengottheiten freischaltet und den Spieler*innen noch mehr Möglichkeiten bietet, in das nordische Abenteuer einzusteigen.

„Wenn man jetzt als Wikinger spielt, ist man nicht auf einen Spielstil festgelegt“, fügt Pirillo hinzu. “Man muss nicht nur offensiv spielen oder einer bestimmten Build-Reihenfolge folgen – es gibt viel mehr Variabilität, wie das Spiel verlaufen kann, und viel mehr strategische Möglichkeiten.“

Es gibt jetzt auch ein Prioritätssystem für die Dorfbewohner*innen. Wenn Du also nicht ständig die wichtigsten Aspekte des Wirtschaftsmanagements überprüfen willst, sondern Dich auf die Kämpfe und die Geschichte konzentrieren willst, kannst Du das System so einstellen, dass es automatisch funktioniert. Wenn Pirillo sagt, dass Age of Mythology mit der Community entwickelt wurde, meint sie das wörtlich. Das Team hat 20 Jahre Feedback zum Spiel durchforstet und in altmodischen Internetforen nach häufig auftretenden Frustrationen gesucht, die behoben werden könnten, sowie nach kreativen Vorschlägen aus den Anfangstagen des Spiels, die 2002 vielleicht nicht so einfach umzusetzen waren.

„Unsere Designer*innen haben ihre Hausaufgaben gemacht, und viele von ihnen sind Fans des Originalspiels“, sagt Pirillo. „Es ist wie Indiana Jones, der in die archäologischen Tiefen des Internets eintaucht, um herauszufinden, was gut war und es in Retold einfließen zu lassen.“

Age of Mythology: Retold ist eine willkommene und gut geplante Rückkehr für langjährige Fans, aber auch ein großartiger Ausgangspunkt für diejenigen, die das Originalspiel noch nie gespielt haben. Noch besser ist, dass sich das Spiel weiterentwickeln wird, solange es noch spannende Mythologie hinzuzufügen gibt, und wie Pirillo anmerkt, gibt es etwa zwei Jahrtausende davon zu entdecken.

„Du musst nicht gut in RTS sein, um die Geschichte zu genießen“, sagt Pirillo. „Oder um einfach nur die Genugtuung zu verspüren, 25 riesige Käfer zu bauen und durch die Stadt Deiner Freunde zu stürmen. Es ist ein wunderbarer Spaß für alle.“

Age of Mythology: Retold erscheint am 4. September für Xbox Series X|S, PC und im Game Pass.