Es wurde schon viel darüber gesprochen, dass sich Clair Obscur: Expedition 33 wie eine moderne Interpretation der klassischen JRPG-Formel anfühlt. Grund dafür sind die rundenbasierten Kämpfe, die riesige Map, die zu ausgiebigen Erkundungstouren einlädt und die anpassbaren Waffensets. Man muss nicht lange suchen, um Einflüsse von Persona, Final Fantasy und anderen Klassikern des Genres zu erkennen. Auf uns wartet ein Rennen gegen die Zeit, das im Zusammenspiel mit einem von der Belle Époque inspirierten Design sämtliche Zutaten für einen Überraschungshit liefert. Das erste Spiel von Sandfall Interactive erscheint am 24. April 2025 für Xbox Series X|S und Windows PC als Xbox Play Anywhere Titel. Direkt zum Release ist das Spiel außerdem im Game Pass verfügbar.
Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, Expedition 33 selbst zu testen, und zwar im Rahmen einer umfassenden Hands-on-Demo, die mich durch die ersten Stunden des Spiels führte. Ich erfuhr mehr über die Charaktere, die rundenbasierten Kämpfe und die düstere Welt, die es zu erkunden gilt. Seit das Spiel im Rahmen des Xbox Games Showcase 2024 erstmals vorgestellt wurde, habe ich auf diesen Moment gewartet.

In einer Welt, die der unseren sehr ähnlich ist, erwacht einmal jährlich die mysteriöse Malerin, um eine Zahl auf einen riesigen Monolithen zu malen. Alle Menschen in diesem Alter verwandeln sich daraufhin in Rauch und verschwinden für immer. Zu Beginn des Spiels hat sie die Zahl 33 auf den Monolithen gemalt und ein kleines Team von Abenteuer*innen macht sich auf den Weg, um zu erreichen, woran andere Expeditionen vor ihnen gescheitert sind – die Malerin zu vernichten, bevor noch mehr unschuldige Seelen zu Staub zerfallen.
Doch der Beginn der Expedition ist holprig. Kurz nach der Ankunft an der Küste wird der Großteil der Gruppe von außerirdischen Feinden vernichtet, so dass Du die Mission mit einer Handvoll Überlebender fortsetzen musst. An diesem Punkt konnte ich endlich selbst in das Geschehen eingreifen. Ich wurde von dem Angriff natürlich total überrascht und musste mich auf die Suche nach Antworten und Überlebenden begeben.

Rollenspiele sind von Natur aus sehr umfangreich, ästhetisch und tiefgründig. Expedition 33 scheint sich diesem Grundsatz mit äußerster Sorgfalt genähert zu haben – sämtlicher Ballast, der ein RPG dieser Größe ausbremsen könnte, wurde konsequent entfernt. Die Landschaften, die wir bereits aus früheren Teilen des Spiels kennen, sind unglaublich schön und doch unterliegt die Art und Weise, wie man diese erforscht, einer gewissen Linearität. An bestimmten Stellen kannst Du aber auch vom Pfad abweichen, um etwas Beute zu machen. Ich habe keine Probleme mit Rollenspielen, deren Priorität nicht darauf liegt, eine riesige offene Welt zu bieten, von daher hat es sich seltsam erfrischend angefühlt, eine klare Richtung vorgegeben zu bekommen und gleichzeitig unterschiedliche Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Und dadurch, dass sich das Spiel auf diese Hauptpfade konzentriert, kommen diese umso detailreicher daher. Die Welt ist vollgepackt mit farbenfrohen und manchmal fremdartigen Details, während am Horizont ein düsterer Schatten zu sehen ist. Es ist eine Vorahnung dessen, was Deiner Expedition bevorsteht und sie erinnert auf den ersten Blick an die Schrecken von Mordor.
Die Kämpfe lassen auch nicht lange auf sich warten und sie halten Dich auf jeden Fall auf Trab. So musst Du Angriffe parieren und ihnen ausweichen. Du solltest Dich also gar nicht erst darauf einstellen, entspannt durch die Gegend laufen und die Umgebung erkunden zu können. Ein gewisses Level ist erforderlich, doch das Kampfsystem ist so fesselnd und schön anzuschauen, dass es mir nichts ausmachte, einige Zeit mit dem Aufleveln zu verbringen. Ich verprügelte einige Schergen, um schlussendlich an einem Boss vorbeizukommen, der die nächste Zone bewachte.

Studiere Angriffsmuster und Timing Deiner Gegner, um den Erfolg in Expedition 33 zu maximieren. Glücklicherweise kann der Schwierigkeitsgrad ein wenig angepasst werden, um mehr Zeit für das Ausweichen und Parieren der Angriffe zu erhalten (wir haben auf dem normalen Schwierigkeitsgrad „Expeditioner“ gespielt). Ein gewisses Maß an Geschicklichkeit ist allerdings immer erforderlich. Es ist nie schwer, Elden Ring zu spielen, aber gerade so schwer, dass man seine Reaktionsfähigkeit schrittweise optimieren muss.
Zu Beginn verfügt jeder Deiner Charaktere über einen spezifischen Build, der sich mit den Fähigkeiten der anderen Expeditionsmitglieder ergänzt. Dieser kann später angepasst werden, wenn Du Pictos (Passiva) und andere Waffen sammelst. Meine Gruppe bestand aus Gustave, einem schlagkräftigen Krieger/Ingenieur, der Blitze bändigen kann und über eine mächtige Pistole verfügt. Dazu kam mit Lune eine Flammenmagierin mit Heilfähigkeiten und Maelle, eine agile Schurkin, die über eine Präzisonsklinge verfügt.

Im Kampf liegt der Fokus auf Deinem AP-Meter (vergleichbar mit Mana in anderen Rollenspielen), mit dem Du mächtige Fähigkeiten entfesseln kannst. Du kannst die Leiste füllen, indem Du Standardangriffe ausführst oder eine Parade landest (mehr dazu gleich). Es ist demnach immer eine Frage der Balance, wann und wo Du Deine AP im Kampf einsetzt. Genau hier hält Dich das Spiel auf Trab: Immer wieder musst Du Deinen Ansatz neu planen und ausführen. Und nie wird das deutlicher als dann, wenn Dein Feind an der Reihe ist, anzugreifen.
Obwohl es sich in erster Linie um ein rundenbasiertes Kampfsystem handelt, schaltet es bei einem Angriff des Gegners auf ein Echtzeit-Kampfgeschehen um, das den Einsatz erhöht. Ich habe festgestellt, dass es für Deine Gruppe schlimme Folgen haben kann, wenn Deine Konzentration auch nur für einen Moment nachlässt. Einige dieser Gegner können sehr hart zuschlagen, und wenn man nicht entsprechend aufgerüstet ist, merkt man das schnell. Wenn Du jedoch entsprechend reagierst, kannst Du das Blatt wenden und Deine Gegner mit mächtigen Gegenangriffen in die Flucht schlagen. Es ist technisch möglich, jede Begegnung ohne Schaden zu überstehen, sodass erfahrene Spieler*innen hier möglicherweise glänzen können – mir ist das leider nie gelungen.

Während Gustave und Lune so agierten, wie man es von Krieger- und Magierklassen erwarten würde – und das soll nicht heißen, dass es nicht genauso viel Spaß gemacht hat, mit ihnen zu spielen – war ich von der Komplexität, die Maelles Fähigkeiten mit sich brachten, beeindruckt. Mir gefiel, dass sie sich von den Skills der anderen Mitglieder und selbst von dem, was man von anderen Spielen kennt, unterschied. Das liegt daran, dass ihre Fertigkeiten an ihre Kampfhaltung gekoppelt sind, die drei verschiedene Schadenseffekte durchlaufen kann, wenn sie einen Gegner angreift: Defensive Stance (verringert den erlittenen Schaden und Maelle erhält AP für Paraden oder Ausweichmanöver), Offensive Stance (verursacht 50 Prozent mehr Schaden, vergrößert den erlittenen Schaden aber auch um 50 Prozent) und Virtuous Stance (verursacht 200 Prozent mehr Schaden). Indem man zwischen Stances ohne Unterbrechung (z. B. durch einen Treffer) wechseln kann, kann man den Effekt der Fähigkeiten maximieren.
Im Kampf kann das folgendermaßen aussehen: Maelle beginnt stanceless, also im Grunde neutral. Wenn sie als erstes mit dem Offensive Switch angreift, wechselt sie automatisch zu Offensive Stance, um diese im nächsten Zug einsetzen zu können. Oder sie kann mit Spark zuschlagen, wodurch Feinde in Brand gesetzt werden, was eine Voraussetzung für die Aktivierung von Virtuous Stance für den nächsten Zug darstellt. Es ist ein großartiger und tiefgehender Ansatz für Kampfsituationen, der mich dazu gebracht hat, intensiv über den nächsten Angriff nachzudenken, und dann über den darauffolgenden, sodass ich mich auf jede Begegnung einlassen musste und keinen Zug als selbstverständlich ansah.

Auch andere Merkmale von Rollenspielen sind hier zu entdecken. So kannst Du zum Beispiel Deine Waffen aufwerten die bereits erwähnten Pictos, die Du gesammelt hast, mit den anderen Expeditionsmitgliedern tauschen. Jede*r Held*in kann bis zu drei passive Fähigkeiten mit unterschiedlichen Wirkungsbereichen ausrüsten. Beispiele hierfür sind „Ausweichen“ (bringt AP bei erfolgreichen Ausweichmanövern) oder „Brennende Schüsse“ (bieten Dir die Chance, mit Deinen Fernkampfangriffen Brandschäden bei Deinen Gegnern zu verursachen). Ich habe neun Pictos gefunden, mit denen ich experimentieren konnte, und wie wir während der Developer_Direct gesehen haben, gibt es Hunderte von Pictos, die eine unglaubliche Tiefe und unzählige Anpassungsmöglichkeiten bieten.
Zwischen den Kämpfen hatte ich die Gelegenheit, ein wenig Zeit auf einer Art Lagerplatz der Gruppe zu verbringen. Hier kannst Du mit den Mitgliedern der Expedition interagieren und die Charaktere dahinter noch besser kennenlernen. Charlie Cox („Daredevil: Born Again“) als Gustave, Jennifer English (Baldur’s Gate III) als Maelle und Kirsty Rider („The Sandman“) als Lune stellen dabei ihr schauspielerisches Talent unter Beweis.

Als ich ihn zum ersten Mal traf, war Gustave von den Ereignissen, die sich zu Beginn der Reise zugetragen hatten, traumatisiert. Lune entwickelte sich zur vernünftigen Stimme der Gruppe und Maelle, die Jüngste der Expedition, entdeckte eine bisher ungeahnte Kraft in sich. Zum Ende unserer Session hatte sich Gustave stabilisiert, Lune war fasziniert von dem Kontinent und Maelle hatte begonnen, sich zu einer starken Kämpferin zu entwickeln. Diese Charakterentwicklungen, die sich allein zu Beginn des Spiels zeigten, haben Lust auf mehr gemacht – und die Charaktere und ihre Geschichten (ganz zu schweigen von den hervorragenden Leistungen der Schauspieler*innen) haben einen großen Teil dazu beigetragen, diese Welt zum Leben zu erwecken.
Obwohl wir zunächst nur an der Oberfläche kratzen konnten, hat Clair Obscur: Expedition 33 bereits einige seiner Vorzüge präsentiert. Es gibt mindestens zwei weitere Charaktere, die man spielen kann, daher bin ich gespannt, inwiefern sie die anderen Mitglieder der Expedition ergänzen werden. Das Spiel deutet auf eine epische Reise hin, und ich kann es kaum erwarten, wie es weitergeht, wenn Expedition 33 am 24. April 2025 für Xbox Series X|S und Windows PC als Xbox Play Anywhere-Titel erscheint – und direkt zum Release im Game Pass enthalten ist.