Spiele sind ein ausgezeichnetes, wenn auch manchmal unerwartetes Medium, um Verbundenheit zu spüren. Natürlich gibt es Online-Multiplayer-Spiele, die uns per Definition verbinden, aber das Wort „Verbundenheit“ hat für uns alle ganz unterschiedliche, nuancierte Bedeutungen. Ob Du an die Verbundenheit zu einer Kultur, zur Natur, zu warmen Erinnerungen oder einfach nur an die gemeinsame, wertvolle Zeit mit Freund*innen und Familie denkst – wir suchen nach Verbundenheit, um unser Leben zu bereichern. Obwohl die sechs Indie-Spiele, die unser ID@Xbox-Team diesen Monat für Dich ausgesucht hat, so unterschiedlich sind, wie Du es Dir nur vorstellen kannst, wurde eines klar: Wenn es ein Thema gibt, das sie gemeinsam haben, dann ist es Verbundenheit.
Und wie jeden Monat verbindet unser Team Dich mit einigen unserer liebsten neuen Indie-Titel. Egal, ob Du Lust auf nostalgisches Spieldesign und Charaktere hast, auf Geschichten über das Erwachsenwerden während eines entscheidenden Moments in der Geschichte, auf eine immersive Reise, die von zwei gegensätzlichen Perspektiven zusammengehalten wird, oder auf die buchstäbliche Verbindung Deines Smartphones mit Deiner Xbox, um ein Spiel mit Deinen Freund*innen zu starten – jeder Titel, den wir Dir diesen Monat präsentieren, bietet Dir auf die eine oder andere Weise eine einzigartige Art, Verbindung zu erleben. Hier kommt unsere Auswahl (ohne bestimmte Reihenfolge):
Despelote

Der Titel spielt im Jahr 2001 in Quito, Ecuador, kurz bevor sich das Land zum ersten Mal für die Herren-Weltmeisterschaft qualifiziert, während es noch immer unter den Folgen einer Wirtschaftskrise leidet. Aus der First-Person-Perspektive erlebst Du eine zutiefst persönliche, beinahe autobiografische Geschichte über Fußball, Gemeinschaft und das Erwachsenwerden, die aus der Sicht der beiden Entwickler Julián Cordero und Sebastián Valbuena erzählt wird. Das Spiel zeigt eindrucksvoll, wie Fußball oft als Ventil dient und wie er wie ein Hoffnungsfaden durch schwierige Zeiten zieht.
Die Ballspiel-Mechanik bildet das Herzstück des Spiels und ist sehr gut mit der intuitiven und leichten Steuerung verbunden. Das Spiel wird aus der Ich-Perspektive erzählt und entfaltet sich über mehrere Tage, die mit den Qualifikationsspielen Ecuadors für die Weltmeisterschaft verbunden sind. Diese Schlüsselmomente wirst Du überall in der Spielwelt finden: im Radio, in Straßenunterhaltungen und im Fernsehen. Das Gameplay verbindet kleine narrative Aufgaben behutsam mit der ständigen Ablenkung durch den Ball oder alles, was Du treten, gegen Wände schießen oder zwischen den Beinen anderer Spieler*innen hindurchdribbeln kannst.
Vielleicht fühle ich mich so stark zu Despelote hingezogen, weil Fußball in meiner Kindheit in Brasilien eine große Rolle gespielt hat. Ich erinnere mich noch daran, wie ich nach der Schule schnell auf die Straße gerannt bin, um mit Freund*innen zu spielen, bis meine Mutter mich zum Abendessen gerufen hat. Ich habe auch aus erster Hand erlebt, wie Sport während politischer Instabilität, wirtschaftlicher Not und sozialer Ungleichheit zu einer Stütze wird. Für mich verkörpert Despelote diese beiden Dinge. Selbst wenn Du nie eine solche Verbindung zum Sport gespürt hast, mache Dir keine Sorgen, dieses Spiel könnte trotzdem etwas für Dich sein – und es könnte Dir helfen zu verstehen, was es für uns bedeutet, die diese Bindung haben.
– Jairo Lopes
Sunderfolk

Gemeinsame Spieleabende mit Freund*innen machen viel Spaß, können aber einschüchternd wirken, wenn die Spiele zu komplex und strategisch sind. Hier kommt Sunderfolk ins Spiel: ein rundenbasiertes taktisches RPG mit Couch-Koop und innovativer Smartphone-Steuerung. Auf den ersten Blick erinnert das Gameplay an beliebte Tabletop-Spiele wie Gloomhaven mit ihren komplexen Mechaniken, Zielen, Ereignissen und Modifikatoren. Solche Spiele sind großartig, aber diese intensive, wissensbasierte Spieltiefe wirkt oft abschreckend auf Anfänger*innen wie Dich und mich. Sunderfolk hebt sich hier ab, indem es viele dieser Elemente vereinfacht.
Ihr startet das Spiel und jede*r lädt die mobile App über einen QR-Code auf dem Bildschirm herunter. Ihr wählt jeweils eine von sechs bekannten, vorgefertigten Klassen, die durch großartig gestaltete anthropomorphe Tiere dargestellt werden. Wer möchte nicht einen riesigen Bären-Krieger spielen? Es gibt keine Charakterbögen zum Anpassen – alle sind sofort startklar und werden direkt in die Kampagne geworfen. Jede Klasse hat eine spezielle Rolle: Sie unterstützt Deine Gruppe beim Bewegen auf dem Hexfeld, verursacht Schaden, schiebt Gegner*innen weg oder verteilt Buffs und Debuffs.
Es gibt Waffen, Gegenstände und Fähigkeiten, die Deine Werte beeinflussen, sowie einige Deckbuilding-Elemente. Du musst jedoch keine langen Texte auswendig lernen. Einfachheit bedeutet jedoch nicht, dass Sunderfolk keinen Tiefgang hat. Mit jedem Level erhältst Du neue Fähigkeiten, musst Dich aber für jede Mission entscheiden, welche Du mitnimmst. Die Missionen haben oft mehrere Ziele, die über „Besiege den Feind” hinausgehen. Manchmal musst Du beispielsweise NPCs eskortieren oder Rätsel lösen. Zudem gibt es auch Wettbewerbsaspekte, da Gold und Schätze nicht geteilt werden. Während Du einen Gegner angreifst, können sich andere Spieler*innen dem Schatz widmen, den Du im Visier hattest.
Mich haben viele Elemente angenehm überrascht. Am wichtigsten ist, wie einfach der Einstieg per Smartphone-App ist – so unkompliziert wie bei einem Jackbox-Partyspiel. Besonders begeistert haben mich zwei Dinge: Erstens die Möglichkeit, Dinge im Spiel zu benennen. Gelegentlich kannst Du beispielsweise den Markt der Stadt, Schreine, Feindklassen oder Speisen in der Taverne benennen. Das führte schnell zu witzigen Situationen. Zweitens möchte ich die Sprecherin Anjali Bhimani erwähnen, die die Rolle des Game Masters übernimmt. Dadurch erhält die ansonsten typische Abenteuergeschichte eine charmante und erinnerungswürdige Note. Sicher macht es auch Spaß, Sunderfolk allein zu spielen, aber da es mir so viel Freude gemacht hat, mit Freund*innen zu spielen, muss ich es unbedingt als gemeinsames Erlebnis empfehlen.
– Raymond Estrada
Post Trauma

Entwickelt von Red Soul Games, ist Post Trauma ein Survival-Horror-Spiel, das tief in die menschliche Psyche eintaucht. Du schlüpfst in die Rolle von Roman, einen pensionierten Zugführer, der in einer seltsamen Welt aufwacht, die sich wie ein Albtraum anfühlt. Während Du die Umgebung erkundest, Rätsel löst und Romans Vergangenheit Stück für Stück zusammensetzt, zieht Dich das Spiel langsam, aber sicher in eine packende und berührende Geschichte, die lange nachhallt.
Von Anfang an fesselte mich die Atmosphäre. Die visuellen Eindrücke sind unheimlich schön, jede Umgebung wirkt bewusst gestaltet, um Dir ein angenehmes Unbehagen zu vermitteln. Auch das Sounddesign ist außergewöhnlich gelungen. Von gespenstischen Hintergrundgeräuschen bis zu plötzlichen musikalischen Einschüben, die Dir einen Schauer über den Rücken jagen – alles fügt sich zusammen, um Dich dauerhaft angespannt zu halten. Am Ende meiner Spielzeit war ich überrascht, wie sehr ich mich mit der Geschichte verbunden fühlte. Obwohl es leicht ist, sich auf Jump-Scares oder gruselige Kreaturen zu konzentrieren (von denen es reichlich gibt), geht es hier vor allem um Romans Reise – seine Traumata, seine Erinnerungen und die Last, die er trägt. Die Rätsel verstärken dieses Eintauchen zusätzlich. Sie sind herausfordernd, aber nicht frustrierend, und das Lösen fühlt sich wirklich befriedigend an.
Für Fans von Silent Hill oder den frühen Resident Evil-Spielen fühlt sich Post Trauma in puncto Gameplay und Atmosphäre vertraut an, bringt aber mit seiner Erzählweise eine eigene, frische Stimme und Stil mit. Post Trauma war eine überraschend emotionale und fesselnde Erfahrung, die mich lange nach dem Abspann begleitet hat. Schnapp Dir Deinen Controller, mach das Licht aus und begleite Roman auf seiner Reise. Nur… spiel es am besten nicht allein.
– Steven Allen
Lushfoil Photography Sim

Lushfoil Photography Sim ist ein ruhiges First-Person-Erkundungs- und Fotografie-Spiel von Matt Newell. Mit der Unreal Engine 5 erschafft es realistische Umgebungen, in denen Du mit einer Ingame-DSLR-Kamera atemberaubende Fotos machen kannst. In einer Welt, die selten zur Ruhe kommt, bietet es einen seltenen Rückzugsort: Frieden.
Das Spielen fühlte sich für mich wie ein virtueller Rückzugsort an. Keine Missionen, kein Druck. Nur Ich, eine Kamera und einige der beeindruckendsten virtuellen Landschaften, die ich je gesehen habe. Von schneebedeckten Gipfeln der französischen Alpen bis zur stillen Gelassenheit eines japanischen Tempels – jede Umgebung wirkte lebendig und tief meditativ. Es ging nicht nur ums Fotografieren, sondern darum, das Sehen zu lernen. Blende einstellen, mit dem Fokus experimentieren und dem perfekten Licht nachjagen – die Kameramechaniken waren so realistisch, dass ich oft vergaß, dass Ich mich in einem Spiel befand.
Was mich wirklich berührt hat, war die Stille. Ich hielt inne, um dem Wind zu lauschen oder die vorbeiziehenden Wolken zu beobachten. Ich entdeckte versteckte Pfade, fand überraschende Details und stellte eine Galerie zusammen, die sich wie ein persönliches Reisetagebuch anfühlte. Trotz seines Namens ist Lushfoil Photography Sim nicht nur eine Simulation – es ist eine sanfte Erinnerung, langsamer zu machen, genauer hinzuschauen und die Schönheit in den stillen Momenten zu schätzen.
– Jessica Ronnell
Two Falls (Nishu Takuatshina)

Two Falls (Nishu Takuatshina) ist ein narratives Walking-Sim-Spiel, das im 17. Jahrhundert tief in der Wildnis des heutigen Kanadas spielt. Dieses First-Person-Episodenspiel führt Dich auf eine emotionale, atmosphärische Reise, erzählt aus zwei unterschiedlichen Perspektiven.
Du beginnst die Geschichte als Jeanne, eine junge Französin, die zusammen mit ihrem treuen Hund Capitaine die einzige Überlebende eines Schiffbruchs ist. Deine Entscheidungen prägen nicht nur den Verlauf der Ereignisse, sondern auch, wie sie die Welt um sich herum wahrnimmt. Wenn Du Dich dem Glauben zuwendest, wird sie gläubiger und dogmatischer. Konzentrierst Du Dich auf Überleben und Pragmatismus, verändert sich ihr Weltbild. Das Spiel lässt Dich das Gewicht jeder Entscheidung spüren.
Bald schlüpfst Du in die Rolle von Maikan, einem Jäger des Innu-Volkes mit einer anderen Sicht auf das Land. Seine Geschichte dreht sich um das Überleben seines Volkes, ihre Traditionen und die drohende Gefahr des kulturellen Verlusts durch die Kolonialisierung.
Was mir an Two Falls (Nishu Takuatshina) besonders gefällt, sind die subtilen Unterschiede in den Perspektiven. Jeanne nimmt die Umgebung eher einfarbig und ängstlich wahr, während Maikan sie bunter und einladender sieht. Diese doppelte Sichtweise wirkt sehr kraftvoll und schafft eine tiefe Verbindung zu den Charakteren. Besonders gefallen hat mir, wie das Spiel seine Themen nicht aufdrängt, sondern Dir vertraut, die feinen Nuancen zu entdecken.
Die Welt ist reich an Erkundungsmöglichkeiten. Du entdeckst ein mystisches Geheimnis durch eindringliche Bilder und ein eindrucksvolles Sounddesign, das Dich immer tiefer in die Szenerie zieht. Der Stil ist wunderschön und passt perfekt zum Spieltempo. Es erinnerte mich an Firewatch, wie es Atmosphäre und Bindung langsam aufbaut – nicht nur durch Dialoge, sondern auch durch die Umgebung und unterstützende Charaktere, die genauso wichtig für die Geschichte sind wie die Hauptfiguren.
Wenn Du eine fesselnde Erfahrung suchst, die Deine Perspektiven herausfordert, mit einer wunderschön und authentisch gestalteten Geschichte und einem mystischen Geheimnis zum Entschlüsseln, lohnt sich die Reise in Two Falls (Nishu Takuatshina).
– Oscar Polanco
Bendy and the Ink Machine (Xbox Series X|S)

Hast Du Dich schon mal gefragt, wie es wäre, wenn Deine liebsten Kindheits-Cartoons eine dunkle Wendung nehmen? Bendy and the Ink Machine macht genau das – und glaub mir, es ist so gruselig wie fesselnd. Ursprünglich 2018 erschienen, hat Joey Drew Studios kürzlich eine verbesserte Version für die Xbox Series X|S veröffentlicht, die Grafik und Leistung deutlich steigert. Eine perfekte Gelegenheit für alle, die es damals verpasst haben.
Das First-Person-Puzzle-Horrorspiel versetzt Dich in ein altes, verlassenes Animationsstudio, in dem eindeutig etwas sehr schiefgelaufen ist. Du schlüpfst in die Rolle von Henry, einen ehemaligen Animator, der zurückkehrt, um die Geheimnisse einer mysteriösen Tintemaschine – und der daraus entstandenen albtraumhaften Cartoon-Figuren – zu lüften. Schon zu Beginn zieht Dich Bendy mit seinen sepiafarbenen Bildern, dem Vintage-Cartoon-Stil und dem unheimlichen Soundtrack in seinen Bann. Es fühlt sich an, als würdest Du in eine verdrehte Version eines Cartoon-Streifens aus den 1930er Jahren eintauchen. Während ich die düsteren Flure erkundete und Rätsel löste, spürte ich eine Mischung aus Nostalgie und Unbehagen – wie eine Erinnerung, die auf seltsame Weise verfault ist.
Das Gameplay verbindet Horror, Rätsel und Erkundung so, dass Du ständig auf der Hut bist. Meist bist Du auf Rennen und Verstecken vor Tintemonstern angewiesen, doch später kannst Du Dich mit Rohr oder Axt verteidigen – wobei es sich oft besser anfühlt, Angriffen auszuweichen und um Dein Leben zu rennen. Es erinnerte mich stark an Five Nights at Freddy’s oder Little Nightmares, mit diesem gleichen herzrasenden, nervenaufreibenden Kampf-oder-Flucht-Gefühl. Was ich am meisten mochte, war jedoch, wie sich die Geschichte langsam entfaltet und Dich bis zum Ende rätseln lässt. Egal, ob Du Horror-Spiele liebst oder einfach etwas Einzigartiges und Unvergessliches suchst – Bendy wird da sein… vielleicht sogar direkt hinter Dir.
– Steven Allen