#WeAreAllGaming Staffel 2 – Wie Robert mit Forza Horizon vom Gamer zum Rennfahrer wurde HERO

#WeAreAllGaming Staffel 2 – Wie Robert mit Forza Horizon vom Gamer zum Rennfahrer wurde

Mit Forza Horizon 5 erlebt aktuell eine ganze Generation an Gamer*innen hautnah, was das Racing-Genre so faszinierend macht – und einer von ihnen ist der Microsoft Cloud-Entwickler Robert Horrion. Doch Robert ist mehr als ein Racing begeisterter Gamer: Er hat seine Leidenschaft in die Realität umgesetzt. Aus einem kleinen Jungen, der in den 90ern staunend die Rennen des Nürburgrings verfolgt hat, ist ein waschechter Rennfahrer geworden. Doch wie wird man vom Gamer und Fan zum aktiven Fahrer? Es zeigt sich: Manchmal sind die spontanen, völlig abwegigen Ideen die besten.

Wie er das geschafft hat, welche wesentliche Rolle das Forza-Franchise dabei gespielt hat und wie man überhaupt eine Fahrerlaubnis auf dem Nürburgring erhält, haben wir ihn im Interview gefragt.

#WeAreAllGaming Staffel 2 – Wie Robert mit Forza Horizon vom Gamer zum Rennfahrer wurde

Unser Interview mit Robert zu Forza Horizon

Hey Robert, was macht Forza Horizon und das Franchise für Dich so faszinierend?

Fangen wir am besten mal ganz vorne an! Als ich ungefähr 10 war, bin ich in die Welt der Motorsport-Spiele eingestiegen. Angefangen habe ich mit Need for Speed aber schon bald stand eine Xbox in meinem Kinderzimmer und ich bin in die Welt von Forza – damals Forza Horizon 3 – eingetaucht. Generell gefällt es mir immer ganz besonders, wenn ich in einem Racing-Game die Möglichkeit habe, meine Fahrzeuge zu individualisieren, aufzurüsten oder zu tunen. Hier ging Forza schon früh weiter als viele andere Games, denn man konnte nicht nur Kleinigkeiten, sondern ganz entscheidende Komponenten des Motors austauschen – das hat mich von Anfang an begeistert! Zudem gefällt es mir, wenn ich irgendwo unten in einer Story beginne und mich nach und nach in der Hierarchie hocharbeiten kann. Geld verdienen, immer bessere Fahrzeuge und Ersatzteile erhalten und Schritt für Schritt alle Optionen des Spiels ausschöpfen – das liebe ich einfach an Forza. Dass ich bei dieser Prämisse dann noch in einer riesigen Open World herumcruisen und mit anderen Spieler*innen fahren kann, ist dann natürlich die Krönung schlechthin.

Was macht die Rennen in Forza so unterhaltsam und abwechslungsreich?

Die unfassbar realistischen und abwechslungsreichen Landschaften und die eindrucksvollen Wetter-Effekte sind definitiv ein großes Alleinstellungsmerkmal – insbesondere von Forza Horizon 5. Hier erlebe ich Rennen in Klimazonen und unter Wetter-Bedingungen, die ich in der Realität vielleicht nie befahren werde – am Nürburgring gibt es nun mal eher selten Sandstürme. *lacht*

Zusätzlich spielt auch hier wieder das Tuning-Feature eine große Rolle für mich. Es macht großen Spaß einen durchschnittlichen oder guten Wagen schrittweise auf eine Strecke oder Umgebung zum perfekten Fahrzeug zu tunen, und dieses dann im Rennen gegen andere Spieler*innen einsetzen zu können. Ich finde das spiegelt den Geist der echten Motorsport-Szene sehr gut wieder: Hier stecken alle Fahrer*innen unglaublich viel Zeit und Aufwand in ihre Wagen – denn nur durch genaues Tuning erhalten die Fahrzeuge genau die Fahreigenschaften, die sie sich wünschen. Ich bin da keine Ausnahme. *lacht* Auch mein 5er BMW ist nicht mehr ganz im Auslieferungszustand …

Wann hast Du den Entschluss gefasst, im Motorsport aktiv zu werden?

Tatsächlich bin ich jemand, der schon immer sehr früh wusste, was er will. Mit 14 wusste ich bereits, dass ich einmal für Microsoft arbeiten will und bereits mit 6 wusste ich, dass schnelle Autos richtig cool sind und ich mit ihnen fahren will! Denn damals hat mich der beste Freund meines Vaters – seines Zeichens selbst Rennfahrer auf dem Nürburgring – zur Königsklasse, dem 24-Stunden-Rennen eingeladen. Dort konnte ich dann direkt von der großen Panorama-Scheibe der Loge aus sehen, wie diese beeindruckenden Wagen in die Boxengasse fuhren und in rasantem Tempo von den Boxencrews versorgt wurden – auf einen 6jährigen wie mich hat das riesig Eindruck gemacht. Und als Krönung haben wir dann sogar während dem Rennen einen Hubschrauber-Rundflug über die Strecke machen dürfen – ab dem Moment war ich komplett versaut und konnte an nichts anderes mehr denken als Motorsport. Eigentlich hatte ich da gar keine andere Wahl! *lacht*

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Hier hat alles angefangen: Robert mit 6 Jahren am Nürburgring

Wenig später habe ich dann auch herausgefunden, dass man bereits als 6-Jähriger im Motorsport aktiv werden kann. Ich habe dann versucht, meine Eltern zum Kauf eines Kart zu überreden, um in den Sport einzusteigen. Die fanden die Idee allerdings alles andere als gut, deshalb wurde der Racing-Karriere dann ein Riegel vorgeschoben – fürs Erste.  Aber umso wichtiger wurden für mich Racing-Games, die mir die Fahrzeuge und Möglichkeiten boten, von denen ich als Kind und Jugendlicher nur träumen konnte.

Also hast Du mit dem Rennsport gewartet, bis Du das richtige Fahrzeug hattest?

Gewissermaßen ja – tatsächlich hat es mich auch vorher schon immer wieder zur Rennstrecke gezogen. Als ich für das Studium nach Köln zog, hatte es nur zwei Wochen gedauert, bis ich wieder am Nürburgring war. Obwohl der letzte Besuch Jahre her war, war ich direkt wieder infiziert. Von da an war ich regelmäßig an der Strecke, war als Fotograf bei Rennen unterwegs und habe mich mit Teilnehmer*innen und anderen Rennsport-Begeisterten kurzgeschlossen. Für mich war zu diesem Zeitpunkt klar, dass ich während des Studiums nicht aktiv fahren können würde, schließlich ist Rennsport leider ein sehr kostenintensives Hobby.  

Du hast also direkt nach dem Studium begonnen, für den Rennsport zu trainieren?

Jaein – leider kam direkt mit dem letzten Semester des Studiums die Pandemie und der Motorsport lag gezwungenermaßen erst einmal auf Eis. Und plötzlich war ich an die Wohnung gebunden und hatte jede Menge Zeit. Da habe ich begonnen, Entzugserscheinungen in Sachen Rennsport mit der Xbox zu kompensieren! Ich habe Forza Motorsport angeschmissen und mir wieder den geliebten Nürburgring als Strecke ausgesucht – und bin bei der ersten Fahrt direkt in der Leitplanke gelandet. *lacht* Da habe ich beschlossen: „So, du übst die Strecke jetzt, bis du sie im Schlaf beherrschst!“ Dann bin ich ungefähr 300 bis 400 Runden virtuell gefahren und so fühlte sich der Lockdown tatsächlich etwas kürzer an. Zu Beginn war mir der große Trainingseffekt gar nicht so bewusst, doch da der Nürburgring für Forza Motorsport 3D-vermessen wurde, waren jede reale Kurve, Strecke und Boden-Unebenheit verzeichnet und ich konnte unter den verschiedensten Wetterbedingungen in den verschiedensten Wagen unter vergleichsweise realistischen Bedingungen trainieren.  

Welches Setup hast Du auf Xbox genutzt, um diese realistischen Bedingungen in Forza zu erreichen?

Ich habe eine Pedalkombination mit dem Force Feedback Lenkrad Logitech G 923 genutzt – das war auf jeden Fall ein guter Anfang. Ein richtiger Fahrersitz soll jetzt für das bestmögliche Simulator-Feeling auch noch dazukommen. Damals haben mir Lenkrad und Pedale aber gereicht, denn man bekommt auch so ein Gefühl für die Unebenheiten der Strecke und kann das richtige Timing der Pedale perfekt üben. Es gibt allerdings auch etwas, auf das einen selbst der beste Simulator der Welt nicht vorbereiten kann: die G-Kräfte in einem realen Rennwagen.

Oha! Wann wurde Dir denn klar, wie heftig die G-Kräfte sind?

Das war noch vor meinem ersten Rennen. Direkt nach dem Studium flossen meine ersten Gehälter in meinen 5er BMW. Als ich dann meine Familie in der Eifel besucht habe, habe ich spontan meinen Onkel gefragt, ob wir eine Runde auf dem Nürburgring drehen wollen. Und diese erste Runde war tatsächlich schon relativ flott, mein Onkel meinte in der ersten Kurve nur: „Bitte, bitte lass die Airbags drin!“ *lacht* Du kannst 1000 Runden virtuell in Forza drehen, auf die G-Kräfte in einem realen Rennen kann Dich niemand vorbereiten. Wenn man in die erste Kurve fährt und die Kompression wirkt, schießt das Adrenalin in jede Faser des Körpers und man kann einfach nur noch lachen. Ich glaube, dieses Hochgefühl ist einer der Gründe, warum Rennsport einfach süchtig macht. Das Vergnügen war dann aber auch relativ schnell vorbei, denn nach nur einer halben Runde hatten sich die Reifen überhitzt. Ab dem Moment habe ich alles investiert, um das Fahrzeug mit den richtigen Reifen und Modifizierungen für den Rennbetrieb auszustatten.

Und wie kam es zu Deinem ersten offiziellen Rennen?

Tatsächlich kam mein erstes offizielles Rennen dann sehr spontan – und verlief auch ziemlich unerwartet! *lacht* Ich hatte gerade Besuch von einem ehemaligen Studienkumpel aus Belgien, mit dem ich schon damals oft die Kart-Rennbahn besucht habe. Und eines Abends kam uns die sprichwörtliche Schnapsidee: „Was ist, wenn wir uns jetzt einfach aus Spaß zu einem Rennen anmelden?“ Denn auf dem Nürburgring gibt es tatsächlich Rennen, bei denen man nur sehr wenige Voraussetzungen benötigt. Ab dann ging alles ziemlich schnell: Einsteiger-Rennlizenz beantragt, zum Rennen angemeldet, Technik auf Herz und Nieren geprüft und schon drei Wochen später stand ich in der RCN GLP an der Startlinie des Nürburgrings – mit meinem Kumpel als Beifahrer. In dieser Rennserie setzt man sich selbst eine Rundenzeit und hat zwei Versuche, um diese möglichst exakt zu erreichen. Daher spielt es weniger eine Rolle mit welchem Wagen man teilnimmt, sondern eher, dass man eine konstante Leistung erbringt. Als wären wir an diesem Tag nicht ohnehin schon aufgeregt genug gewesen, starteten wir im strömenden Regen. Innerhalb kürzester Zeit sprang bei 200 km/h das ABS-System des Wagens an – trotzdem lagen wir mit unserer ersten Rundenzeit so nah an der Vorgabe, dass wir zu den ersten 10 Prozent gehörten.

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Tja, und in der zweiten Runde vor der Tankphase saß mein Kumpel schwer atmend und kreidebleich auf dem Beifahrersitz und hat sich fast übergeben … Also haben wir eine etwas zu lange Tankpause eingelegt, wodurch wir leider disqualifiziert wurden. Trotzdem ist es eine Erfahrung, die ich nicht missen wollen würde.

Wie geht Deine Rennkarriere jetzt weiter, hast du Ziele vor Augen?

Mein mittelfristiges Ziel ist es, bis 2023 am 24-Stunden-Rennen teilzunehmen. Diese absolute Königsklasse fährt nur einmal im Jahr, doch 2023 wäre es genau 20 Jahre, nachdem ich als 6jähriger zum ersten Mal am Nürburgring war. Und selber einmal dieses traditionsreiche Rennen zu fahren – das wäre doch eine angemessene Art, mein 20jähriges Jubiläum am Nürburgring zu feiern! *lacht*

Zurück zu Forza: Wenn Du grenzenlose Möglichkeiten hättest, welches Feature würdest Du Dir von den Entwickler*innen für Forza Horizon wünschen?

Die Idee stammt ursprünglich aus der Community aber ich finde sie so cool, dass ich sie teilen muss: Es wäre der Hammer, wenn man die Welten von Forza Motorsport und Forza Horizon kombinieren könnte. Dann würde man typisch Horizon durch Europa cruisen und könnte im Anschluss Rennen auf den verschiedenen Rennstrecken und Rundkursen der Länder fahren! Man hätte französische Strände, spanische Steppen, Schweizer Alpen – das gäbe richtig abwechslungsreiche Strecken. Und mithilfe der Portierungsmöglichkeiten, die Forza auch bietet, kann man den Standort bei Bedarf auch mal schnell wechseln, wenn man gerade keine Zeit für längere Strecken durch Europa hat.

Wenn Du die Möglichkeit hättest, hinter das Steuer eines legendären Wagens zu steigen, welcher wäre es und wo würdest Du entlangfahren?

Am liebsten würde ich hinter das Steuer des sogenannten Grello steigen. Dieser Wagen von Manthey Racing ist ein Porsche 911 GT3 R. Das Auto ist extrem speziell und hat schon einen nahezu legendären Status auf dem Nürburgring.

Fahren würde ich den Grello am liebsten auf dem höchsten Gebirgspass Italiens – auf dem sogenannten Stelvio-Pass am Stilfser Joch. Diese besondere Route kam auch schon in Top Gear vor und ist ebenso kultig wie der Wagen selbst. Aber da sind wir wieder bei dem Thema Rennsport und öffentliche Straßen: Der Grello hat leider keine Straßenzulassung. Solange also weder der Rennstall noch die italienische Regierung ihre Meinung ändern, wird diese Fahrt  wohl auch immer ein Wunschtraum bleiben. *lacht*

Was verbindet die Fans von Rennsport und Racing-Games?

Unabhängig von den Bestzeiten und Siegerehrungen geht es um den Spaß und die Begeisterung, die alle vereint. Man kennt sich vorher nicht, fährt eine Runde zusammen und plötzlich hat man neue Freund*innen! Zusammen Spaß haben, die gemeinsame Leidenschaft feiern und neue Freundschaften begründen, darum geht es beim Rennsport. Und genau diese Begeisterung kann auch Forza Horizon in die Community transportieren.