Wie Resident Evil Requiem zwei Spiele in einem vereint

Zusammenfassung

  • Resident Evil Requiem, der neunte Hauptteil der Serie, erscheint am 27. Februar für Xbox Series X|S.
  • Newcomerin Grace Ashcroft wird neben dem Serienhelden Leon Kennedy zur zweiten Hauptfigur.
  • Wir haben selbst getestet, wie sich beide Figuren in die jeweiligen Spielstile der Serie – Überleben und Action – integrieren.

Die legendäre Resident Evil-Reihe umfasst eine Vielzahl von Elementen. Manchmal geht es um stille Bedrohungen, bei denen Du sorgfältig abwägen solltest, wann Du die wenigen Kugeln in deiner Tasche einsetzt. Gleichzeitig geht es darum, die Umgebung zu erkunden und Rätsel zu lösen, während Du furchterregenden und oft unbesiegbaren Monstern ausweichst. Ein anderes Mal brauchst Du Unmengen an Granaten und Deine Schrotflinte, um Horden von Zombies zu vernichten. Resident Evil Requiem, der neunte Teil der Hauptreihe, stellt die Frage: Warum nicht alles auf einmal?

Requiem gelingt das Kunststück, zwei Spiele zu einem zu verbinden und das mit gleich zwei Protagonist*innen: Die FBI-Analystin Grace Ashcroft, die neu in die Serie eingeführt wird, ist für den klassischen Survival-Horror zuständig, während sich der bereits bekannte Leon Kennedy um die Action kümmert. Wir kamen vor kurzem in das Vergnügen, eine Demo zu spielen, die uns einen Vorgeschmack auf beide Seiten geboten hat. Insgesamt drei Stunden durften wir spielen und dabei einen längeren Abschnitt mit Grace testen, der von zwei kürzeren Abschnitten mit Leon eingerahmt wurde. Und in denen, so viel sei vorab verraten, ging es richtig zur Sache.

Zu Beginn des Spiels kannst du für jeden Charakter die Perspektive auswählen, aus der Du spielen möchtest. In meiner Demo habe ich mit Grace aus der Ego-Perspektive und mit Leon aus der Third-Person-Perspektive gespielt. Dieser Kontrast spiegelt sehr gut die unterschiedlichen Wahrnehmungen der schüchternen Schreibtischanalystin und des kampferprobten Außendienstmitarbeiters wider. Er trägt mit dazu bei, dass sich die Abschnitte von Grace äußerst beängstigend anfühlen. Wenn Du magst, kannst Du die Perspektive der beiden Protagonist*innen aber auch ganz einfach über das Menü ändern, was im Sinne der Barrierefreiheit ein großer Vorteil ist. Die Entwickler*innen von Resident Evil erhalten derweil die Möglichkeit, mit der Geschichte der Serie zu spielen.

Beide Charaktere treffen im Rahmen ihrer jeweiligen Ermittlungen in einem gruseligen alten Krankenhaus aufeinander, bevor sie sich in verschiedenen Teilen des Gebäudes verlieren und ihre Ermittlungen getrennt voneinander fortsetzen.

Grace unter Druck

So viel sei gesagt: Grace Ashcroft macht eine wirklich schwere Zeit durch.

Inmitten der Schrecken, die die Demo zu bieten hatte, fiel mir der unregelmäßige Atem von Grace auf. Sie hat Angst, im Krankenhaus festzusitzen und fühlt sich der Situation nicht gewachsen. Selbst aus der First-Person-Perspektive ist Graces scheuer Charakter durch ihre panische Atmung und ihr Murmeln jederzeit spürbar.

Ganz im Stile von Resident Evil verbrachte ich meine Zeit in der Rolle von Grace damit, verschiedene Flügel des Krankenhauses zu durchforsten, um Rätsel zu lösen und Schlüssel in Form von Sonne, Mond und Stern zu sammeln, mit denen ich anschließend das Haupttor öffnen konnte. Heilkräuter, Munition und Nahkampfwaffen mit begrenzter Nutzungsdauer (sowie Inventarplätze) waren knapp, sodass ich stets darauf achten musste, wann ich sie einsetzte. Schließlich konnte ich das Crafting freischalten, um die limitierten Ressourcen noch klüger einsetzen zu können.

Die Zombies, die durch die Flure wankten, waren nicht völlig hirnlos. Ihre Bewegungen und Handlungen zeigten, dass noch Spuren ihres einstigen Lebens in ihnen schlummerten. Sie gingen ihren früheren Aufgaben als Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen und Hausmeister*innen nach, oder versuchten es zumindest. Einige von ihnen schienen lichtempfindlich zu sein, was mir die Gelegenheit bot, den Lichtschalter in der Nähe zu betätigen, um einen von ihnen aus einem schmalen Flur zu locken. Als ich das Licht anschließend wieder ausschaltete, konnte ich mich an ihnen vorbeischleichen.

Außerdem gab es einen riesigen Koch, der durch die Küche und die umliegenden Flure stapfte und nach Fleisch suchte. Die Kugeln aus meiner Waffe schienen ihn höchstens zu verärgern, sodass ich ihm am besten einfach aus dem Weg ging. Im Gegensatz zu früheren Spielen, in denen unbesiegbare Bedrohungen wie Mr. X oder Nemesis während des gesamten Spiels allgegenwärtig waren, scheint Requiem eine Vielzahl von Schrecken zu bieten, die lokal eher begrenzt sind. Ich begegnete dem Koch zum ersten Mal in seiner eigenen Küche und musste mich an ihm vorbeischleichen. Als ich weiter vorangekommen war und eine nahegelegene Abkürzung gefunden hatte, streifte er in einem größeren Radius umher. Ich bin ihm jedoch nie außerhalb der Umgebung begegnet, in der ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte.

Mein Kollege Joe beschrieb ein anderes Monster, das eher einer Krankenpflegerin ähnelte. Es begegnete ihm in der Summer Game Fest Demo in einem Abschnitt, den ich bis dato noch gar nicht gesehen hatte. Dafür begegnete ich im medizinischen Flügel des Krankenhauses einer weiteren unbesiegbaren Bedrohung: Einem Zombie mit den Proportionen eines riesigen Babys. Er erschreckte mich beinahe zu Tode, indem er einen Türrahmen direkt neben mir zerstörte, als ich gerade einen wichtigen Gegenstand aufheben wollte. Er kroch mir hinterher, zertrümmerte alles um mich herum und schimpfte lautstark darüber, wie hungrig er sei. Er nahm den gesamten Flur ein und zwang mich, einen Umweg zu machen, während ich mir einen weiteren Weg durch den Flügel bahnte.

Während meiner Zeit mit Grace wurde mir klar: Man muss all diese Dinge mit großer Vorsicht angehen. Denn der Verstand ist hier wichtiger als die reine Muskelkraft. Die Situationen, in denen ich versuchte, mich mit roher Gewalt durch das Gebäude zu kämpfen, waren jene, die mich am meisten frustrierten. Das Spiel belohnte meine Beobachtungsgabe und bestrafte meine Ungeduld.

Leon, der Profi

Leon ist anders als Grace. Er will Kaugummi kauen und Ärsche versohlen.

Während Grace ängstlich durch das Krankenhaus schleicht, verlässt sich der Macho aus Resident Evil auf witzige Sprüche und seine Roundhouse-Kicks. „Ich glaube, ich möchte eine zweite Meinung einholen“, sagte er trocken, nachdem er einen Raum voller Zombie-Medizinpersonal abgeschlachtet hatte, das ihn zu Beginn meiner Session umzingelt hat. Als wäre das Ganze nicht schon verrückt genug, hatte der Arzt noch eine Kettensäge dabei, die ich mir natürlich genommen und gegen die Zombies eingesetzt habe.

Weil er besser mit ihnen umgehen kann, gibt es in Leons Abschnitten viel mehr Feinde. Er hat mehr Waffen, Munition und eine Axt, die im Gegensatz zu den zerbrechlichen Messern von Grace nur abstumpft und jederzeit nachgeschärft werden kann. Wenn ich Gebiete erkundete, die ich schon mit Grace durchlaufen hatte, konnte ich mit der Axt Schränke aufbrechen, in denen es meistens noch mehr Munition gab.

Es geht nicht nur darum, bereits bekannte Bereiche neu zu entdecken, in die man mit Leon zurückkehrt. Vielmehr geht es darum, Leons Fähigkeiten dort einzusetzen, wo Grace bereits an ihre Grenzen gekommen ist. „Tut mir leid, aber ich stehe nicht auf der Speisekarte“, sagte er selbstgefällig zu einem vermeintlich unbesiegbaren Monster, nachdem er es mit einer Schrotflinte erschossen hatte. Es ist ein gängiges Stilmittel, dass man zu Beginn eines Spiels auf einen Boss trifft, den man nicht besiegen kann. Das Spiel nutzt diesen Kontrast jedoch geschickt, um die Fähigkeiten der Charaktere gegenüberzustellen. Die Spieler*innen können sich an den schier unbesiegbar scheinenden Monstern rächen, wenn sie mit Leon erneut auf sie treffen.

Leons Abschnitte waren laut, chaotisch und boten so eine willkommene Abwechslung zu den spannungsgeladenen Erkundungstouren mit Grace. Die Balance zwischen den zwei grundverschiedenen Charakteren funktionierte im begrenzten Kontext der Demo gut und ich bin gespannt, wie sich das auf das ganze Spiel auswirken wird. Die Resident Evil-Reihe hat sich in den letzten 30 Jahren stark weiterentwickelt und die Entwickler*innen von Requiem haben es geschafft, eine Fortsetzung zu entwickeln, die ihren Vorgängern mehr als gerecht wird.

Resident Evil Requiem erscheint am 27. Februar für Xbox Series X|S.