Die schiere Last an Vorfreude, Erwartungen und ja, auch der vielen Memes stellt Hollow Knight: Silksong vor eine ziemlich einzigartige Herausforderung: Sechs Jahre nach seiner Ankündigung und acht Jahre nach Veröffentlichung des Originalspiels muss der Titel zwei Dinge beweisen: dass er vertraut und trotzdem anders ist. Ein Balanceakt, der nicht gerade einfach zu meistern ist.
So paradox es auch klingen mag: Nachdem ich auf der gamescom 2025 eine neue Demo gespielt habe, kann ich sagen, dass Team Cherry genau das geschafft hat. Wenn Du wie ich zu den Millionen von Gamer*innen gehörst, die gespannt darauf gewartet haben, wie der Nachfolger von Hollow Knight aussehen könnte, bin ich ziemlich zuversichtlich, dass Du begeistert sein wirst.
Der Clue liegt darin, wie die Entwickler*innen das neue Spiel vorgestellt haben. Als ich die Demo zum ersten Mal spielen durfte, konnte ich zwischen zwei Orten wählen: Moss Grotto und Deep Docks. Der erste Ort zeigt, dass mit dem Originalspiel vertraute Spieler*innen mehr von dem bekommen, was sie kennen, während der zweite Ort eine Vielzahl neuer Ideen liefert.

Moss Grotto
Die Geschichte beginnt mit einer Zwischensequenz, in der ein gefangener Hornet (der NPC/Boss aus dem ersten Spiel, der nun wir nun selbst steuern) in die geheimnisvolle neue Welt von Pharloom flieht. Die grüne Moosgrotte erinnert sofort an die markantesten Elemente des Originals Hollow Knight.
Obwohl die Veröffentlichung des Originalspiels schon so lang zurückliegt, fühlen sich die ersten Minuten von Silksong wunderbar vertraut an. Sie zeigen, wie viel Team Cherry schon damals richtig gemacht hat. Wir tauchen in eine makellos gezeichnete und animierte Welt ein – die als Waffen nutzbaren Insekten zappeln wunderschön durch prächtige Umgebungen, die stets dunkel und an den Ecken einladend sind. Es gibt immer noch ein Labyrinth aus Tunneln, die Dich dazu einladen, neue Wege zu erkunden, von denen nur wenige wirklich ausgeschildert sind. Und was entscheidend ist: Es fühlt sich immer noch unfehlbar gut an, auf genau das zu reagieren, was man tun möchte. Jeder Tastendruck wird mit schnellen, präzise abgestimmten Reaktionen belohnt – vom Jump’n’Run bis zum Kampf.
Nachdem wir zur Vorbereitung auf diese Demo noch einmal das Originalspiel herausgeholt haben, gab uns Moss Grotto einen Hinweis darauf, was die Hauptfigur Hornet vom stillen Protagonisten des ersten Spiels unterscheidet: die Geschwindigkeit. Hornet greift präziser an, kann Hindernisse überwinden und sogar eine neue Bind-Fähigkeit einsetzen, um sich umgehend zu erholen. Gehe jedoch nicht davon aus, dass dieses notorisch schwierige Spiel mit der zweiten Auflage einfacher ist – Deep Docks hat mich sehr schnell eines Besseren belehrt.

Deep Docks
Der zweite Bereich, der später im Spiel wichtig wird, ist eindeutig darauf ausgelegt, Dich herauszufordern. Er ist verschlungener und (im wahrsten Sinne des Wortes) oft sehr dunkel. In diesem Labyrinth musste ich mich sofort mit fliegenden Gegnern auseinandersetzen, die mich mit Magma beschossen oder mich blockieren – ganz zu schweigen von der Endgenerin, die mich immer wieder gnadenlos zu Boden geschlagen hat (mehr dazu später).
Das hat mich daran erinnert, wie herausfordernd Hollow Knight sein kann, aber auch daran, auf welche Weise das Spiel diese Herausforderung zum Leben erweckt. Ja, Hornet ist eine schnellere Kämpferin als der ursprüngliche Protagonist – also hat Team Cherry einfach die gleiche Logik auf ihre Feinde übertragen. Das Ergebnis ist ein Kampfsystem, das sich weniger wie eine Schlägerei und mehr wie ein Schwertkampf anfühlt. Man muss gezielter ausweichen, angreifen und parieren. Und wenn man erst einmal in den Flow kommt, fühlt es sich großartig an.

In den Deep Docks lernst Du außerdem Deine Werkzeuge kennen – die vielleicht größte Neuerung in Silksong im Vergleich zu Hollow Knight. Als Teil eines neuen Handwerkssystems kann Hornet Werkzeuge einsetzen, um ihr Repertoire um neue Fähigkeiten zu erweitern. So kann ich nun zum Beispiel den Straight Pin verwenden – einen Fernangriff, der wie ein Wurfmesser funktioniert – und Silkspear, einen weitaus mächtigeren Angriff, der sich nur im Kampf wieder auflädt und mich somit zwingt, mich in die Schlacht zu stürzen, um ihn zu aktivieren. Auch wenn nur eine begrenzte Anzahl an Wekrzeugen zur Verfügung steht, wird schnell klar, wie sehr die Wahl der Werkzeuge den Spielverlauf beeinflusst.
Das wurde besonders deutlich, als ich auf Lace traf, die Endgegnerin, die das Ende der Demo beschließt. Sie ist ebenfalls eine Schwertkämpferin, genauso schnell wie Hornet, wenn nicht sogar schneller, konnte Angriffe abwehren und passte ihre Angriffsmuster an meine Kampfweise an. Hier wurde mir klar, welch zentrale Bedeutung Team Cherry der Geschwindigkeit als in Silksong einräumt. Nach vielen, vielen Fehlversuchen konnte ich sie nur dank meiner eigenen Beweglichkeit (und einigen gut geworfenen Werkzeugen) besiegen. Ich erlerne nicht einfach nur Angriffsmuster oder führe wilkürliche Moves aus – ich reagiere. Es sieht vielleicht aus wie Hollow Knight, aber manchmal fühlt es sich an, als würde ich in einem versteckten Turbo-Modus spielen.

Das war noch lange nicht alles…
Es gibt noch viel zu entdecken, was in der Demo nur angedeutet wird. Ich konnte sowohl Währung (genannt „Rosaries“) als auch Handwerksmaterialien (genannt „Shell Shards“) sammeln, aber beides nicht ausgeben. Grundlegende Fähigkeiten wie das Festhalten an Wänden wurden in meinem Lauf ebenfalls nicht gezeigt.Und abgesehen von einem kurzen Gespräch mit Lace habe ich nicht viel über Hornets Charakter erfahren. Anders als der erste Protagonist kann Hornet sprechen. Hier liegen also noch viele Informationen im Verborgenen. Wie jede gute Demo hat sie Lust auf mehr gemacht, statt das Gefühl zu vermitteln, schon alles zu wissen.
Aber was hier gezeigt wird, ist eine klare Botschaft: Der Kern dieses Spiels besteht aus schnellen, kraftvollen und präzisen Plattform- und Kampfansätzen, die auf den Errungenschaften von Hollow Knight aufbauen und durch jahrelange Erfahrung, Überlegungen und das behautsam aufgebaute Selbstvertrauen von Team Cherry ergänzt wurden. Ich kann mit gutem Gewissen sagen: Ja, das ist das Spiel, auf das ihr all die Jahre gewartet habt.
Die Fortsetzung, auf die alle warten
Wenn Du Hollow Knight noch nie gespielt hast, fragst Du Dich vielleicht, was es mit dem ganzen Trubel auf sich hat. Hollow Knight gilt heute von vielen als eines der besten Debüt-Games aller Zeiten. Es ist ein Action-Plattformspiel aus dem Jahr 2017, das die Härte, Belohnungen und Geheimnisse früher Side-Scroller mit Elementen aus Soulslike-Games kombiniert.
Die Fortsetzung, Silksong, war ursprünglich als DLC geplant, wurde aber so umfangreich, dass sie zu einem eigenständigen Spiel wurde – Fans warten seit der Ankündigung im Jahr 2019 auf die Veröffentlichung und sind daher verständlicherweise sehr gespannt.